Benaro Finanzen

Die vergessenen Jahre: Checkliste für die Steuererklärung 2022 bis 2025

Die vergessenen Jahre. Welche Unterlagen du für jedes Jahr brauchst.

Die Checkliste zu Folge 1 des Finanzamt-Raubzugs: welche Jahre noch offen sind, in welcher Reihenfolge du vorgehst, woher du jede Unterlage bekommst und wie du die Erklärung Schritt für Schritt abgibst. Mit 2022 zuerst, denn das Jahr verjährt am 31.12.2026.

Von Ben Alexander Borowy, Jurist und Gründer von Benaro Finanzen
Stand · § 46 EStG, §§ 169 bis 171 AO · Allgemeine Information zur Rechtslage, keine Steuerberatung im Einzelfall

Welche Jahre noch offen sind

Bist du nicht zur Abgabe verpflichtet, kannst du eine Steuererklärung bis zu vier Jahre rückwirkend abgeben. Entscheidend ist, dass sie bis zum 31.12. des vierten Folgejahres beim Finanzamt eingegangen ist.
JahrEingang bisRangWarum
202231.12.20261.Verjährt zuerst. Danach ist das Geld endgültig weg.
202331.12.20272.Gleich danach, die Unterlagen liegen schon da.
202431.12.20283.Viele Angaben wiederholen sich.
202531.12.20294.Das jüngste Jahr, die meiste Zeit.

Die Frist beginnt mit dem Ende des Steuerjahres und läuft bei der freiwilligen Erklärung nicht später an, so der Bundesfinanzhof 2011. Geht dein Antrag rechtzeitig ein, läuft die Frist nicht ab, bevor das Finanzamt darüber entschieden hat. Es zählt der Eingang, nicht der Poststempel. § 46 Abs. 2 Nr. 8 EStG, § 169 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 AO, § 170 Abs. 1 AO, § 171 Abs. 3 AO, BFH vom 14.04.2011, VI R 53/10

Warst du zur Abgabe verpflichtet?
Dann gelten andere Fristen, und für die vergangenen Jahre besteht eine Pflicht, keine Wahl. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn du nebeneinander von mehreren Arbeitgebern Lohn bekommen hast oder wenn Leistungen wie Elterngeld, Krankengeld oder Arbeitslosengeld zusammen mehr als 410 € im Jahr betragen haben. Die Fälle stehen in § 46 Abs. 2 Nr. 1 bis 7 EStG. Bist du unsicher, klär das vorher mit einer Steuerberaterin oder einem Lohnsteuerhilfeverein.

Wer 2022 oft zu viel gezahlt hat

Wer mitten im Jahr angefangen hat zu arbeiten, hat häufig zu viel Lohnsteuer gezahlt. Der Grund steckt in der Art, wie sie jeden Monat berechnet wird.

Dein Arbeitgeber rechnet deinen Monatslohn für die Lohnsteuer aufs ganze Jahr hoch, so als würdest du zwölf Monate verdienen. Hast du zum Beispiel erst im Juli angefangen, hast du im Jahr tatsächlich weniger verdient, als die monatliche Berechnung unterstellt. Einen Ausgleich über den Arbeitgeber gibt es nicht, wenn du nicht das ganze Jahr bei ihm beschäftigt warst. Die zu viel gezahlte Lohnsteuer holst du dir mit der Erklärung zurück. § 39b Abs. 2 EStG, § 42b Abs. 1 EStG

Das gilt für jedes Jahr, in dem du nicht durchgehend gearbeitet hast: Berufsstart nach dem Studium, Pause zwischen zwei Jobs, Elternzeit, Sabbatical. Ob es bei dir so ist, zeigt die Berechnung in ELSTER oder deiner Steuersoftware.

Laut Statistischem Bundesamt bekamen für 2022 13,2 Millionen Steuerpflichtige mit Arbeitslohn eine Erstattung, im Schnitt 1.240 € (10.06.2026).

Den Zugang einrichten, bevor du Belege suchst

Der Aktivierungscode für Mein ELSTER kommt per Post. Das dauert einige Tage, im schlechten Fall bis zu zwei Wochen. Deshalb ist das der erste Schritt, nicht der letzte.
  1. Steuer-Identifikationsnummer bereitlegen. Sie steht auf jeder Lohnsteuerbescheinigung und auf der Gehaltsabrechnung.
  2. Bei Mein ELSTER registrieren. Auf elster.de mit der Steuer-ID. Du bekommst eine Aktivierungs-ID per E-Mail und einen Aktivierungscode per Brief. Kommt der Brief nicht innerhalb von 14 Tagen, wende dich an die Ansprechstelle deines Bundeslandes, die ELSTER nennt.
  3. Belegabruf einschalten. In Mein ELSTER der Bereitstellung deiner Daten zustimmen. Die Daten stehen frühestens einen Tag danach zur Verfügung und reichen vier Jahre zurück.
  4. Abrufen, was schon da ist. Dein Arbeitgeber hat die Lohnsteuerbescheinigung längst ans Finanzamt geschickt. Über den Belegabruf holst du sie dir, dazu Lohnersatzleistungen wie Elterngeld oder Arbeitslosengeld, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge und weitere Meldungen, und übernimmst sie direkt in die Erklärung.

Auf Papier mit den amtlichen Vordrucken geht es auch, dann aber ohne Belegabruf. Und der Brief muss am 31.12. beim Finanzamt sein, nicht nur im Briefkasten.

Die Unterlagen je Jahr

Einmal ausdrucken, dann für jedes offene Jahr abhaken. Die oberen Zeilen brauchst du immer, die unteren nur, wenn sie für das Jahr zutreffen. Dort steckt die Beute.

UnterlageWoher22232425Wofür
Lohnsteuerbescheinigung, jeder ArbeitgeberBelegabruf oder Arbeitgeber☐☐☐☐Grundlage jeder Erklärung. Anlage N.
Lohnersatzleistungen, etwa Elterngeld, Krankengeld, ArbeitslosengeldBelegabruf oder Bescheid der Stelle☐☐☐☐Müssen angegeben werden, auch wenn sie steuerfrei sind.
Kranken- und PflegeversicherungBelegabruf oder Krankenkasse☐☐☐☐Vorsorgeaufwendungen.
Homeoffice-TageKalender, Zeiterfassung☐☐☐☐Tagespauschale. § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6c EStG
Arbeitsweg: Adresse von Wohnung und Arbeit, Tage im BüroArbeitsvertrag, Kalender☐☐☐☐Entfernungspauschale. § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG
Arbeitsmittel: Laptop, Handy, Schreibtisch, FachliteraturRechnungen, Bestellbestätigungen☐☐☐☐Werbungskosten, bei privater Mitnutzung anteilig. § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 EStG
Bewerbung, Umzug, FortbildungRechnungen, Fahrkarten, Kursbelege☐☐☐☐Werbungskosten, wenn beruflich veranlasst. § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG
Gewerkschaft, BerufsverbandBeitragsbescheinigung☐☐☐☐Werbungskosten. § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 3 EStG
Nebenkostenabrechnung, HandwerkerrechnungenVermieter, eigene Überweisungen☐☐☐☐20 Prozent der Arbeitskosten direkt von der Steuer. Nur mit Rechnung und Zahlung aufs Konto. § 35a EStG
Jahressteuerbescheinigung der BankBank oder Broker☐☐☐☐Einbehaltene Kapitalertragsteuer zurückholen. Anlage KAP. § 32d Abs. 4 und 6 EStG
Kosten von Studium oder AusbildungSemesterbeiträge, Bücher, Fahrten☐☐☐☐Nach abgeschlossener Erstausbildung Werbungskosten, sonst begrenzt. Thema von Folge 2. § 9 Abs. 6 EStG, § 10d EStG

Werbungskosten bringen erst etwas, soweit sie zusammen über dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag liegen, 2026 sind das 1.230 € (§ 9a Satz 1 Nr. 1 Buchst. a EStG). Für die früheren Jahre setzt ELSTER den Betrag des jeweiligen Jahres an. Deshalb alle Posten eines Jahres zusammenrechnen, bevor du einen als zu klein abtust.

Schritt für Schritt, mit 2022 zuerst

  1. Offene Jahre aufschreiben. Für welche Jahre von 2022 bis 2025 hast du keine Erklärung abgegeben? Prüf kurz, ob du zur Abgabe verpflichtet warst (Teil 1).
  2. Heute bei Mein ELSTER registrieren. Wegen des Briefs mit dem Aktivierungscode ist das der Schritt mit der längsten Wartezeit.
  3. Belegabruf einschalten und Unterlagen für 2022 sammeln. Die Liste aus Teil 4, Spalte 22.
  4. Erklärung für 2022 ausfüllen. In Mein ELSTER das Formular für die Einkommensteuererklärung des Jahres 2022 wählen, die abgerufenen Daten übernehmen, Anlage N für den Arbeitslohn und die Werbungskosten, bei Bedarf Anlage KAP.
  5. Berechnung prüfen. Vor dem Absenden zeigt dir ELSTER oder die Steuersoftware die voraussichtliche Erstattung. Ergibt sich eine Nachzahlung, lass dich beraten, bevor du absendest.
  6. Absenden und Beleg sichern. Das Übermittlungsprotokoll mit Datum speichern. Es zeigt, wann deine Erklärung eingegangen ist.
  7. Dann 2023, 2024 und 2025. Viele Angaben übernimmst du aus dem Vorjahr.
  8. Bescheid prüfen. Weicht er von deiner Erklärung ab, hast du einen Monat ab Bekanntgabe für den Einspruch. § 355 Abs. 1 Satz 1 AO
  9. Beute melden. Schreib @der.finanzjurist per Direktnachricht BEUTE und den beantragten Betrag. Nur Wort und Zahl, keine Unterlagen und keine Steuer-ID.

Vier Fragen, die immer kommen

FrageAntwort
Kostet mich das etwas?Nein. Mein ELSTER ist das kostenlose Portal der Finanzverwaltung. Steuersoftware ist bequemer, aber keine Pflicht.
Zahlt das Finanzamt Zinsen auf die Erstattung?Ja, ab 15 Monaten nach Ende des Steuerjahres 0,15 Prozent für jeden vollen Monat, also 1,8 Prozent im Jahr. Für 2022 läuft der Zins seit dem 1.4.2024. § 233a Abs. 2 Satz 1 AO, § 238 Abs. 1a AO
Ich habe 2022 nur studiert und nichts verdient.Dann gibt es keine Lohnsteuer zurück. Hast du vorher eine Ausbildung oder einen Bachelor abgeschlossen, können die Studienkosten aber einen Verlust ergeben, der spätere Steuer mindert. Dafür gelten eigene Regeln, Thema von Folge 2. § 9 Abs. 6 EStG, § 10d EStG
Muss ich Belege mitschicken?Heb sie auf und leg sie bereit. Welche das Finanzamt sehen will, sagt es dir im Einzelfall. Ohne Beleg lässt sich ein Posten im Zweifel nicht halten.

Dein Plan: zum Ausfüllen

JahrPflicht oder freiwillig?Unterlagen komplettAbgeschickt amBeantragte ErstattungBescheid da
2022
2023
2024
2025
Summe
Der eine Schritt, der zählt: Registrier dich heute bei Mein ELSTER, falls du noch keinen Zugang hast. Alles andere hängt am Brief mit dem Aktivierungscode, und für 2022 bleibt nur bis zum 31.12.2026. Welche Posten in deinem Fall zählen und wie hoch sie sind, klärt eine Steuerberaterin oder ein Lohnsteuerhilfeverein mit deinen Unterlagen.

Alles auf einen Blick als PDF

Die Checkliste für 2022 bis 2025 schicken wir dir per WhatsApp, zum Ausdrucken und Abhaken.

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Fundstellen

Einkommensteuergesetz: § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6c (Homeoffice-Pauschale) · § 9 Abs. 1 Satz 1, Satz 3 Nr. 3, 4 und 6, Abs. 6 (Werbungskosten, Entfernungspauschale, Arbeitsmittel, Berufsausbildung) · § 9a Satz 1 Nr. 1 Buchst. a (Arbeitnehmer-Pauschbetrag) · § 10d (Verlustabzug) · § 32d Abs. 4 und 6 (Kapitalerträge) · § 35a (haushaltsnahe Dienstleistungen, Handwerkerleistungen) · § 39b Abs. 2 (Hochrechnung des Monatslohns beim Lohnsteuerabzug) · § 42b Abs. 1 (Lohnsteuer-Jahresausgleich durch den Arbeitgeber) · § 46 Abs. 2 Nr. 1 bis 8 (Pflichtveranlagung, Antragsveranlagung) · Abgabenordnung: § 169 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2, § 170 Abs. 1, § 171 Abs. 3 (Festsetzungsfrist, Beginn, Ablaufhemmung durch Antrag) · § 233a Abs. 2 Satz 1, § 238 Abs. 1a (Erstattungszinsen) · § 355 Abs. 1 (Einspruchsfrist) · Bundesfinanzhof, Urteil vom 14.04.2011, VI R 53/10 · Statistisches Bundesamt, „Steuererklärung: Durchschnittliche Rückerstattung lag bei 1 240 Euro“, 10.06.2026 · ELSTER, Hilfe zur Registrierung und Infoseite „Vorausgefüllte Steuererklärung (Privatpersonen)“, abgerufen am 26.09.2026.

Stand 26.09.2026. Die Fristen gelten für Steuerpflichtige, die nicht zur Abgabe verpflichtet sind. Beträge können sich von Jahr zu Jahr unterscheiden. Diese Checkliste ist allgemeine Information zur Rechtslage, keine Steuerberatung im Einzelfall.

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