Benaro Finanzen

Kosten-Checkliste zum Altersvorsorgedepot

Der Kostendeckel gilt nur für ein Depot. So prüfst du jedes Angebot.

Das Altersvorsorgedepot startet am 1. Januar 2027. Die Grenze von 1,0 Prozent Kosten steht nur für das Standarddepot im Gesetz. Für jedes andere Altersvorsorgedepot gibt es keine Obergrenze. Hier siehst du, wo die Kosten in deinem Angebot stehen und was dich jeder Zehntelprozentpunkt im Jahr kostet. Zum Ausrechnen und Abhaken.

Von Ben Alexander Borowy, Jurist und Gründer von Benaro Finanzen
Stand · §§ 1, 2a, 7, 7a, 7c AltZertG in der Fassung ab 01.01.2027, BGBl. 2026 I Nr. 156 · Allgemeine Information, keine Anlageberatung und keine Empfehlung für einen Anbieter

Welches Produkt welchen Deckel hat

Der Deckel von 1,0 Prozent Effektivkosten gilt allein für den Standarddepot-Vertrag. Bei den anderen Produkten muss der Anbieter die Kosten nur ausweisen. Die Höhe begrenzt das Gesetz dort nicht.
ProduktKostendeckelEffektivkosten im Produktinformationsblatt
Standarddepot§ 1 Abs. 1c AltZertGhöchstens 1,0 %§ 2a Abs. 2Pflichtangabe§ 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7
Altersvorsorgedepot ohne Garantie, mit freierer Anlage§ 1 Abs. 1b AltZertGkeinerPflichtangabe§ 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7
Vertrag mit Garantie§ 1 Abs. 1 AltZertGkeinerPflichtangabe§ 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7

Was „Effektivkosten“ bedeutet

Die Zahl zeigt, wie stark alle Kosten deine Rendite bis zum Beginn der Auszahlung drücken. Bringt die Anlage 6 Prozent im Jahr und liegen die Effektivkosten bei 1,0 Prozent, bleiben dir rechnerisch 5 Prozent. Der Anbieter ermittelt den Wert nach dem Gesamtkostenindikator aus dem EU-Recht für Anlageprodukte. § 2a Abs. 1 AltZertG

Woran du ein Standarddepot erkennst

Der Name des Produkts verrät es nicht zuverlässig. Prüf deshalb die Produktkategorie im Blatt und diese Merkmale: Der Anbieter legt zwei Fonds fest, einen in Risikoklasse 1 oder 2 und einen in Risikoklasse 3, 4 oder 5. Du entscheidest, wie deine Beiträge sich aufteilen. Fünf Jahre vor der Auszahlung liegen höchstens 50 Prozent im renditestärkeren Fonds, zwei Jahre vorher höchstens 30 Prozent, außer du vereinbarst etwas anderes. § 1 Abs. 1c AltZertG

Wer ein anderes Altersvorsorgedepot anbietet, muss bestätigen, dass er auch mindestens ein Standarddepot im Angebot hat. Du kannst also bei jedem Anbieter nach dem Vergleichsprodukt fragen. § 7 Abs. 4 Satz 3 AltZertG

Wo die Kosten in deinem Angebot stehen

Die Zahl steht im individuellen Produktinformationsblatt. Der Anbieter muss es dir geben, bevor du unterschreibst. Werbeflyer und Bildschirmgrafiken ersetzen es nicht.
Das steht im BlattWorauf du achtest
☐Produktbezeichnung und ProduktkategorieNr. 1 und 2Hier siehst du, ob du ein Standarddepot oder ein anderes Produkt vor dir hast.
☐ZertifizierungsnummerNr. 3Ohne sie ist es kein zertifizierter Altersvorsorgevertrag. Die Zertifizierung sagt nichts darüber, ob sich das Produkt für dich rechnet.
☐EffektivkostenNr. 7Deine Hauptzahl. Beim Standarddepot höchstens 1,0 Prozent, bei den anderen Produkten nach oben offen. Trag sie in das Blatt in Abschnitt 3 ein.
☐Kosten in der Anspar- und AuszahlungsphaseNr. 8Die einzelnen Posten. Mehr als hier steht schuldest du nicht. Lies auch die Zeile zur Auszahlung, siehe Abschnitt 4.
☐Möglichkeiten und Folgen eines VertragswechselsNr. 11Was ein Wechsel dich kostet, siehe Abschnitt 6.
☐Stand des BlattsNr. 12Liegt die Unterschrift nicht zeitnah am Blatt, frag nach dem aktuellen Stand. Ändern sich die Angaben, musst du ein neues Blatt bekommen.

Alle Nummern: § 7 Abs. 1 Satz 2 AltZertG, gilt für Standarddepot, Altersvorsorgedepot und Vertrag mit Garantie. Das Bundesministerium der Finanzen kann Aufbau und Darstellung des Blatts per Verordnung näher regeln (§ 6 Abs. 2), die Überschriften in deinem Blatt können also anders lauten.

Noch vor dem Gespräch vergleichen: Für jede Tarifausprägung muss es öffentliche Muster-Produktinformationen geben, beim Anbieter und bei der Zertifizierungsstelle, dem Bundeszentralamt für Steuern. Die Musterwerte beruhen auf angenommenen Vertragspartnern. Für deine Entscheidung zählt das individuelle Blatt. § 7 Abs. 4 Satz 2 und letzter Satz, § 3 Abs. 1 AltZertG

Was dich jeder Zehntelprozentpunkt kostet

Faustformel: Depotstand geteilt durch 1.000 ist das, was ein Zehntelprozentpunkt im Jahr kostet. Bei 50.000 Euro sind das 50 Euro, jedes Jahr, und mit dem Depot wächst der Betrag.
Depotstandje 0,1 Punkte0,5 %1,0 %1,5 %2,0 %
10.000 €10 €50 €100 €150 €200 €
25.000 €25 €125 €250 €375 €500 €
50.000 €50 €250 €500 €750 €1.000 €
100.000 €100 €500 €1.000 €1.500 €2.000 €
200.000 €200 €1.000 €2.000 €3.000 €4.000 €

Überschlag: Depotstand mal Prozentsatz, ohne Zinseszins. Die Effektivkosten sind eine Rendite-Kennzahl über die gesamte Laufzeit. Die Euro in deinem Jahresbericht können davon abweichen, etwa bei festen Gebühren oder Kosten am Vertragsbeginn.

Dein Blatt zum Ausrechnen

RechenschrittBeispielBei dir
ADepotstand heute oder dein Ziel50.000 €
BEin Zehntelprozentpunkt im Jahr: A geteilt durch 1.00050 €
CEffektivkosten aus deinem Angebot, in Zehnteln (1,5 Prozent sind 15)15
DKosten im Jahr: B mal C750 €
EEffektivkosten des Standarddepots zum Vergleich, in Zehnteln (Deckel: 10)10
FMehrkosten im Jahr: C minus E, mal B250 €

Ab wann die Kosten im Jahr höher sind als die volle Zulage von 540 Euro

Effektivkosten0,3 %0,5 %1,0 %1,5 %2,0 %
Grenze beim Depotstand180.000 €108.000 €54.000 €36.000 €27.000 €

540 Euro Grundzulage sind der Höchstbetrag bei 1.800 Euro Eigenbeitrag, ohne Kinderzulage und Einsteigerbonus (§ 84 EStG). Die Grenze sagt nichts darüber, ob sich das Depot lohnt. Erträge und Steuereffekte stehen auf der anderen Seite der Rechnung.

Was der Unterschied nach 30 Jahren ausmacht

Effektivkosten0,3 %0,5 %1,0 %1,5 %2,0 %
Depot nach 30 Jahren175.500 €169.500 €155.500 €142.800 €131.200 €
Abstand zu 1,0 Prozentplus 20.000 €plus 14.000 €0 €minus 12.700 €minus 24.200 €

Modellrechnung, keine Prognose, Werte gerundet: 2.340 Euro im Jahr (1.800 Euro Eigenbeitrag plus 540 Euro Zulage), Einzahlung jeweils am Jahresende, angenommen 6 Prozent Bruttorendite, zusammen 70.200 Euro eingezahlt. Die Anlage kann auch weniger bringen oder Verlust machen.

Der teuerste Fehler: nur auf die Zulage schauen
In der Werbung stehen 540 Euro im Jahr. Das sind Zulagen auf deine Einzahlung, und sie kommen jedes Jahr gleich hoch. Die Kosten dagegen hängen am Depotstand und steigen mit ihm. Bei 50.000 Euro und 1,5 Prozent gehen rechnerisch 750 Euro im Jahr ab. Das ist mehr, als die volle Zulage bringt.

Was die Effektivkosten nicht zeigen

LückeWas du deshalb fragst
Die Auszahlphase fehltDie Effektivkosten reichen nur bis zum Beginn der Auszahlung. Auch der Deckel von 1,0 Prozent misst diesen Wert. Was der Auszahlplan oder die Rente danach kostet, liest du in den Kostenangaben. § 2a Abs. 1, § 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 AltZertG
Selbst gewählte FondsWählst du deine Anlagen selbst, rechnet das Blatt mit der anfänglichen Zusammensetzung. Tauschst du später in teurere Fonds, stimmt die Zahl nicht mehr. Frag, was die Fonds kosten, die du wirklich nehmen willst. § 7 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 AltZertG
Dein Vertrag ist individuellMaßgeblich ist der Wert in deinem Blatt. Zwei Angebote kannst du nur fair vergleichen, wenn beide mit demselben Beitrag und derselben Laufzeit gerechnet sind. § 2a Abs. 2 Satz 2 AltZertG
Feste Gebühren im kleinen DepotEine Gebühr in Euro wiegt am Anfang schwer. 24 Euro im Jahr sind bei 5.000 Euro Depot 0,48 Prozent, bei 50.000 Euro nur 0,05 Prozent. Der Betrag ist ein Rechenbeispiel. Frag nach, ob dein Angebot Euro-Beträge oder Prozente berechnet.
AktionspreiseFrag, was nach einer Anfangsphase gilt, und ob dieser Preis schon in den Effektivkosten steckt. Bei Depotgebühr, Fondskosten und Abschlusskosten dieselbe Frage: „Ist das in der Zahl im Blatt enthalten?“

Checkliste vor der Unterschrift

Frage
☐Ist das ein Standarddepot? Falls nein: Was kostet das Standarddepot desselben Anbieters?
☐Wie hoch sind die Effektivkosten in Prozent? Steht dort mehr als 1,0, lass dir erklären, wofür du die Differenz zahlst.
☐Habe ich das individuelle Produktinformationsblatt? Mit meinem Beitrag, meiner Laufzeit und aktuellem Stand.
☐Was kostet das in Euro? Blatt aus Abschnitt 3 ausfüllen, für heute und für mein Ziel.
☐Was kostet die Auszahlphase? Für Auszahlplan und Rente einzeln nachfragen.
☐Welche Fonds rechnet das Blatt? Sind das die Fonds, in die mein Geld fließen soll?
☐Gilt der Preis dauerhaft? Was gilt nach einer Aktion, und ab wann?
☐Was kostet ein Wechsel? Beim bisherigen und beim neuen Anbieter, siehe Abschnitt 6.

Deine Angebote nebeneinander

Angabe aus dem BlattAngebot 1Angebot 2Standarddepot
Anbieter und Produktkategorie
Monatsbeitrag und Laufzeit
Effektivkosten in Prozent
Kosten in Euro bei meinem Depotstand
Kosten in der Auszahlphase
Stand des Blatts

Wenn die Kosten steigen oder du wechseln willst

Erhöht der Anbieter die Kosten, muss er es vorher ankündigen, und du darfst dein Kapital übertragen, ohne dass er dir dafür etwas berechnet. Dann gilt auch die Fünf-Jahres-Grenze aus der Tabelle nicht.
SituationWas gilt
Wechsel in den ersten fünf JahrenDer bisherige Anbieter darf höchstens 150 Euro berechnen.§ 1 Abs. 1 Satz 3 AltZertG
Wechsel nach fünf JahrenDer bisherige Anbieter darf nichts berechnen.§ 1 Abs. 1 Satz 3 AltZertG
KostenerhöhungAnzeige mit vier Monaten Frist zum Ende eines Quartals. Das Übertragen darf dann nichts kosten.§ 7c, § 1 Abs. 1 Satz 3 AltZertG
Neuer AnbieterEinmalig höchstens 150 Euro Verwaltungspauschale. Auf das übertragene geförderte Kapital darf er keine Abschluss- und Vertriebskosten rechnen.§ 1 Abs. 1 Satz 4 AltZertG
KündigungsfristDrei Monate zum Ende eines Quartals oder zum Beginn der Auszahlung.§ 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 10 Buchst. b AltZertG
Jährlicher BerichtDer Anbieter nennt dir jedes Jahr die tatsächlich angefallenen Kosten. Leg die Zahl neben dein Blatt aus Abschnitt 3.§ 7a Satz 1 Nr. 3 AltZertG
Fehlerhaftes BlattHat der Anbieter seine Informationspflicht verletzt, kannst du innerhalb von zwei Jahren nach deiner Vertragserklärung zurücktreten, spätestens drei Monate nachdem du den Grund kennst.§ 7 Abs. 3 AltZertG

Die Mail an deinen Anbieter

Fehlt dir eine Angabe, frag schriftlich nach. Dann hast du die Antwort neben dem Angebot liegen.

Hallo, bitte schickt mir für das angebotene Altersvorsorgeprodukt das individuelle Produktinformationsblatt nach § 7 Abs. 1 AltZertG, gerechnet mit Monatsbeitrag Euro im Monat und Laufzeit Jahren Laufzeit. Bitte beantwortet mir dazu drei Fragen: 1. Ist das ein Standarddepot-Vertrag nach § 1 Abs. 1c AltZertG? 2. Wie hoch sind die Effektivkosten, und wie hoch sind sie bei eurem Standarddepot mit demselben Beitrag? 3. Welche Kosten fallen in der Auszahlungsphase an? Viele Grüße Dein Name
Der eine Schritt, der zählt: Lass dir vor jeder Unterschrift das individuelle Produktinformationsblatt geben und schreib die Effektivkosten in Zeile C. Das dauert zehn Sekunden. Es heißt nicht, dass das Standarddepot für jeden das Richtige ist. Es heißt, dass du den Preis kennst, bevor du unterschreibst. Ob das Depot zu deinem Ziel, deinem Steuersatz und deiner übrigen Vorsorge passt, rechnen wir im Erstgespräch mit deinen Zahlen durch.

Alles auf einen Blick als PDF

Die Übersicht schicken wir dir per WhatsApp, zum Ausdrucken und Abhaken.

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Fundstellen

Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz (AltZertG) in der Fassung des Altersvorsorgereformgesetzes vom 26.05.2026, BGBl. 2026 I Nr. 156, Art. 6, in Kraft ab 01.01.2027 (Art. 14 Abs. 2): § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 10 Buchst. b, Satz 3 und 4 (Kündigung, Übertragung, Wechselkosten), § 1 Abs. 1b (Altersvorsorgedepot), § 1 Abs. 1c (Standarddepot), § 2a Abs. 1 bis 3 (Effektivkosten, Deckel, Bestätigung), § 6 Abs. 2 (Verordnungsermächtigung), § 7 Abs. 1, 3 und 4 (Produktinformationsblatt, Rücktritt, Muster-Produktinformationen), § 7a (jährliche Information), § 7c (Kostenänderung) · § 3 Abs. 1 AltZertG (Zertifizierungsstelle) · § 84 EStG in der Fassung ab 2027 (Grundzulage) · Anhang VI der Delegierten Verordnung (EU) 2017/653 (Gesamtkostenindikator).

Stand 02.11.2026. Für Verträge, die vor dem 1. Januar 2027 abgeschlossen wurden, gelten die §§ 2a und 7a bis 7c in der bisherigen Fassung weiter. Alle Euro-Beträge sind Modellrechnungen mit Annahmen; maßgeblich ist das individuelle Produktinformationsblatt deines Anbieters. Dieses Dokument ist allgemeine Information zur Rechtslage, keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall und keine Empfehlung für ein Produkt oder einen Anbieter.

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